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Der Cahaba River am "Kathi Stiles Freeland Bibb County Glades Preserve". |
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Auf den Baumstämmen sonnten sich Schildkröten, die bei unserem Näherkommen im Wasser verschwanden. |
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Der Fluss war nicht sehr tief, an vielen Stellen ragten Steine aus dem Wasser. |
Nachdem wir am Abend
zuvor - getreu dem Motto des Willkommensschilds des Staates Alabama -
uns mit „Sweet Home Alabama“ eingestimmt hatten, wachten wir im
subtropischen Norden auf. Schon früh wurden wir am Morgen von warmen
20 Grad geweckt. Auf ein Frühstück und eine Dusche verzichteten wir
in diesem Motel lieber. Unser erstes Ziel des Tages war ein Standort
in Bibb County. Dort soll neben Silphium perfoliatum eine
endemische Art geben, welche es höchstwahrscheinlich nur dort gibt:
Silphium glutinosum. Es war ein ganz besonderer Standort in
mitten dieses sehr dünn besiedelten Countys. Das Habitat ist von
großen Kalkfelsen durchzogen und lag am Ufer des Cahaba Rivers.
Durch die besondere Lage, Bodenbedingungen und der Abgeschiedenheit
zu anderen Präriegebieten sind hier eine ganze Reihe von
Päriepflanzenarten entstanden, die auf der ganzen Welt nur hier
wachsen. Ein Hotspot der Evolution, ein Kleingalapagos für
Präriepflanzen.
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Silphium glutinosum, eine endemische Silphium-Art in ihrem natürlichen Habitat. |
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Yucca filimentosa mit ihren typischen weißen Fäden an den Blatträndern. |
Wir brauchten recht
lange bis wir das öffentliche Gebiet fanden, wurden dann aber
belohnt. Dieser Ort war wahrlich einer der schönsten Flecken Natur
die wir bisher besucht hatten. Auf der kargen Steinfläche fanden wir
viele Arten erstmals und staunten. Das endemische
Silphium
glutinosum war sicherlich eine der dominantesten Pflanzen in
dieser Lebensgemeinschaft und zeigte ein paar letzte Blüten. Wir
studierten diese Pflanze, welche in Europa gar nicht in Kultur ist,
eifrig. Weiterhin staunten wir über die zahlreichen Fädigen
Palmlilien (
Yucca fillimentosa) und die riesigen Zapfen der
Sumpfkiefer (
Pinus palustris).
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Die Zapfen der Sumpfkiefer sind deutlich größer als eine menschliche Hand. |
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Silphium glutinosum dominiert die Pflanzengesellschaft dieser naturbelassenen Landschaft. |
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Die Kathi Stiles Glades waren ein botanisches Paradies. Hier sollen 61 endemische Arten vorkommen. |
Die Landschaft und
der Cahaba River waren schlichtweg atemberaubend. Wir sahen allerlei
Tiere, neben einer Schlange, beobachteten wir viele
Wasserschildkröten und verschiedene Echsen wie diesen
Fünfstreifenskink (Plestiodon faciatus).
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Der in Amerika weit verbreitete Fünfstreifenskink auf der Flucht vor der Kamera. |
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Der wichtigste Fund des Tages: Silphium perfoliatum in einem verwilderten Feld in Alabama. |
Das nächste Ziel war ein Herbarbeleg für die Becherpflanze. Die
Daten aus dem Herbarbeleg erwiesen sich als sehr genau. In der Nähe
von vielen Teichen, in denen die hier im Süden sehr populären Welse
gezüchtet wurden, fanden wir eine Population die sich vom Waldrand
heraus in ein verwildertes Feld herein ausbreitete. Nach Inspektion
der Lage des Feldes waren wir uns unsicher, ob der Bereich öffentlich
oder eben doch in privater Hand ist. Glücklicherweise kam ein Herr
in einem Pickup daher, der wissen wollte warum wir denn das Feld so
ausführlich fotografieren würden, schließlich wüchse dort ja nur
Unkraut. Wir erzählten ihm unser Anliegen. Prompt erlaubte er uns
sein Feld zu betreten und mitzunehmen was immer wir wollten. Er
zeigte uns noch auf seinem Handy ein Video von seiner Wildzucht und
wir plauderten ein wenig über Deutschland. Nach der reichen Ernte
fuhren wir die Schotterpiste weiter, wenige Meter fanden wir noch
zwei weitere Silphiumarten:
Silphium laciniatum und
Silphium
integrifolium. Auf der Querstraße ein wenig weiter fanden wir
noch
Silphium confertifolium, die fünfte Art an einem Tag.
Wir waren sehr froh darüber, drehten erneut „ Sweet Home Alabama“
laut auf und machten uns auf den Weg zu unserem Hotel im Süden
Alabamas. Dieser war nicht ohne, das Navigationsgerät führte uns
durch sehr holprige Strassen, die zum Teil abrupt endeten. Spätabends
erreichten wir müde und zufrieden unser Hotel.
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Eine halbe Stunde Dunkelheit und mehr Trampelpfad als Straße forderten hohe Konzentration auf den letzten Metern zum Motel. |
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