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Das kleine Städchen Floyd mitten in den Blue Ridge Mountains, einem Teil der Appalachen. |
Am nächsten Morgen
kamen wir aus unserem Zelt heraus und wurden prompt von einem etwas
anderen Bewohner des Campingplatzes empfangen. Ein Kragenhuhn (Bonasa
umbellus) kam bis auf wenige Zentimeter auf uns zu. Es
zeigte keinerlei Furcht, eher im Gegenteil. Zunächst dachten wir es
wäre zahm und wolle etwas zu Essen, aber es zeigte keinerlei
Interesse. Robert, ein Texaner und Campingnachbar, kam erstaunt bei
uns vorbei und sagte er hätte so etwas noch nie erlebt. Wir einigten
uns darauf, dass das Huhn oder besser gesagt der Hahn Deutsche mag.
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Unser Besuch am Morgen. |
Da wir am Abend
zuvor niemanden antrafen um zu Fragen welcher Zeltplatz der unsrige
wäre, gingen wir zunächst zum Eingangshaus des Zeltplatzes. Dort
trafen wir nicht nur den Besitzer David, sondern auch Robert und
seine Frau Cindy. Wir wurden ein wenig ausgefragt was wir Deutschen
den hier im kleinen Floyd wollten. Wir erklärten unser Vorhaben. Die
Begeisterung, dass Botaniker aus Deutschland wegen einer besonderen
Pflanze hier ans Ende der Welt kamen war groß. Besonders Cindy, eine
unglaublich witzige und freundliche Frau in den Vierzigern, konnte es
kaum glauben. Sie freute sich unglaublich, da wir die ersten
Botaniker waren, welche sie jemals kennenlernte und dann auch noch
aus Deutschland. Wir bekamen noch reichlich kulinarische Tipps, was
wir in welchen der Bundesstaaten unbedingt probieren müssten. Auch David, ein
älterer sehr feiner Herr, gefiel es Botaniker auf dem Zeltplatz zu
haben. Er erteilte uns direkt und ungefragt sein Einverständnis auf
seinem Campingplatz, sowie den 2 Quadratkilometern Wald zu sammeln
was wir wollten. Seine einzige Bedingung war, dass wir ihn
unterrichten sollten, welche spannenden Pflanzen wir auf seinem
Grundstück gefunden hätten. Auch klärte uns David über das
eigenartige Verhaltens des morgendlichen Besuchers (des Kragenhuhnes)
auf: Wir zelteten in seinem Revier. Aber auch er sagte, dass es ein
sehr ungewöhnlicher Hahn sei. Bei kürzlichen Umbauarbeiten griff er
sogar einen Bulldozer an, woraufhin der Hahn für die Arbeitszeit in
einen Anhänger gesperrt wurde.
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Paddeln für die Pflanzensuche. |
Wir bedankten uns
für die Erlaubnis und erzählten daraufhin, dass wir mehr an den
Ufern des Little Rivers suchen wollten. Hier sollten unsere gesuchten
Pflanzen wachsen. Sofort wurden wir belehrt, dass es sich rund um den
Little River in der Hauptsache wieder einmal um privates Eigentum
handle. David und seine Frau besaßen dort selbst ein großes Gelände
mit mehreren Kilometern Ufer am Little River. Sie gaben uns ein
Schrieb auf der Rückseite ihrer Visitenkarte mit der Erlaubnis ihr
Land zu betreten. Doch wie sollten wir dorthin und die Ufer
erreichen? Es kam die Idee auf, den öffentlichen Fluss mit Kajaks zu
erschließen und sollten wir die seltene Silphiumvariante finden, die
Samen dann direkt aus dem Kajak heraus einsammeln. Tatsächlich
kannte David eine Kajak-Vermietung am Little-River, welche er sofort
anrief und von unserem Vorhaben berichtete. Kurz darauf wurden wir
zum Kajak-Verleih „On-The-Water“ eskortiert. Ich fuhr bei Davids
Frau im Waagen mit und bekam während der Fahrt alle besonders
empfehlenswerten Läden und Lokale vorgestellt. Gut vier der acht
Möglichkeiten waren ihrer Meinung besonders gut. Wir bogen von der
Hauptstraße ab und näherten uns dem Little River. Dort wurden wir
mit Kajaks ausgestattet und zu Wasser gelassen. Wir vereinbarten,
dass wir nach drei Stunden an einer zuvor ausgemachten Stelle
abgeholt werden sollten.
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Der ruhige Flusslauf führte uns durch eine wunderschöne Landschaft. |
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Diese Becherpflanze bildet nur einen sehr kleinen Blattbecher. |
Der Little River ist
wirklich ein unglaublich schöner, wie auch vollkommen natürlich
gelassener Fluss. Der Stand war aufgrund des trockenen Sommers sehr
niedrig, was unser Vorankommen erschwerte. Wir paddelten im ruhigen
Wasser über zahlreiche leuchtend grüne Polster aus Wasserpflanzen
und das bei strahlendem Sonnenschein. Da entdeckte ich am linken Ufer
- es war meine Aufgabe die linke Seite zu beobachten - eine Pflanze,
welche mich an Silphium perfoliatum erinnerte. Wir fuhren
beide näher und bewunderten die Pflanze. Es war ein echtes Silphium
perfoliatum var. connatum. Diese Variante ist deutlich kompakter
und von oben bis unten mit leicht stacheligen Haaren bedeckt. Die
Blätter sind ohne Stiel und wirken wie ein einziges großes Blatt.
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Die seltene Silphium-Variante Silphium perfoliatum var. connatum am Little River. |
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Samen sammeln leicht gemacht. |
Wir ruderten den
Fluss hinab und sahen weitere Exemplare. Hier in Virginia standen die
Becherpflanzen deutlich näher am Wasser, so konnten wir sie gut aus
den Kajaks oder direkt vom Flussufer erreichen. Hierzu stiegen wir
soweit möglich aus den Kajaks heraus und standen im erstaunlich
warmen Wasser am flachen Ufer. Neben den Silphien sahen wir beeindruckende Felsvorsprünge, trafen
leicht angetrunkene Angler im Kajak und genossen die Natur. Durch die
vielen Stopps waren wir etwas spät dran und so mussten wir die
letzten zwei der zehn Kilometer, trotz langsam müden Armen noch
einmal Gas geben. Trotzdem erreichten wir den Treffpunkt mit 50
Minuten Verspätung. Aber der Sohn des Vermieters nahm es gelassen.
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Felsvorsprünge und tote, wie auch lebende Bäume ragten über den Little River. |
Wieder im Auto sanken wir in die Autositze und stellten fest, dass
wir trotz Sonnencreme ordentlich Farbe bekommen hatten. Wir einigten
uns schnell darauf, dass wir uns nach diesem erfolgreichen, wie
anstrengend Tag, ein besonders gutes Abendessen verdient hätten. So
fuhren wir zur besten Adresse des Städtchen Floyd.Wir aßen im
Dogtown jeder eine fantastische Pizza und tranken spannende Biere.
Besonders gut gefiel uns ein fast schwarzes Bier aus Kentucky,
welches in Whiskeyfässern veredelt wird.
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Der Holzkohleofen machte die Pizzen von Dogtown in Floyd bekannt. |
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Der Lohn nach einer erfolgreichen Sammeltour. |
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