Donnerstag, 6. Oktober 2016

Ein Hauch Australis - Vom Süden Alabamas in den Süden von Mississippi


32 Grad Celsius im Oktober und orangerote Straßen - das amerikanische "Outback".
Die mit Louisianamoos behangenen Bäume wirkten wie verwunschene Gestalten am Wegesrand.
Die Scharlachrote Prunkwinde trägt ihren Namen zurecht - Australis in Alabama.
Louisianamoos in einer Nahaufnahme.
Dieser Tag unserer Reise begann im Süden Alabamas in Monroeville. Von dort fuhren wir noch einen Standort an. Der Weg dorthin führte durch bizarre Landschaften aus roter Erde. Wir fühlten uns ein wenig wie in Australien und auch die Flora glich gefühlt der dortigen Florenregion, der Australis. Nicht nur die rote Erde, sondern auch die karge und nach Wasser dürstende Landschaft sorgte für dieses Gefühl. Die tropisch anmutende Scharlachrote Prunkwinde (Ipomoea coccinea) und mit Louisianamoos (Tillandsia usneoides) behangene Bäume taten da ihr Übriges. Bei dem im deutschen als Moos bezeichnete Pflanze handelt es sich übrigens um ein Bromeliengewächs und hat mit richtigen Moosen nichts zu tun, das Louisianamoos ist näher mit der Ananaspflanze verwandt.

Wir fanden auch noch eine uns unbekannte Silphiumart, von der wir denken, dass es sich um Silphium perplexum handeln könnte. Dies müssen wir aber sicherlich noch weiter recherchieren, denn über diese Art liegen nur sehr wenige Daten vor.
Bei dieser spätblühenden Silphiumart könnte es sich um Silphium perplexum handeln.

Unser erster Silphium perfoliatum Fund in Mississippi.
Am Ende des Tages wollten wir den Süden von Mississippi erreichen, was wir auch schafften. Wir steuerten dort einen weiteren Sammelpunkt an, an dem wir im Abendlicht auch die von uns so begehrten Becherpflanzen fanden. Uns wurde die Dokumentation des Fundes und das Sammeln der Samen nicht leicht gemacht. Mehrere drei bis vier Zentimeter große Bremsen verfolgten uns und wurden auch vom warmen Automotor magisch angezogen. Über diese im Englischen als „Black Horse Flies“ (Tabanus atratus) bezeichneten Bremsen staunten wir nicht schlecht. Ihr Anflug kündigte sich stets durch ein lautes Brummen an und sie waren für deutsche Verhältnisse erstaunlich groß, wie vieles in Amerika. Wir entkamen ihnen und waren froh als alle Autotüren geschlossen waren und wir unser Motel ansteuerten.

Mehrere Bremsen der Art Tabanus atratus flogen, angezogen von der Wärme des Automotors, um uns herum. Zum Glück wurden wir nicht gestochen.


Sweet Home Alabama – vom Norden in den Süden Alabamas


Der Cahaba River am "Kathi Stiles Freeland Bibb County Glades Preserve".
Auf den Baumstämmen sonnten sich Schildkröten, die bei unserem Näherkommen im Wasser verschwanden.
Der Fluss war nicht sehr tief, an vielen Stellen ragten Steine aus dem Wasser.
Nachdem wir am Abend zuvor - getreu dem Motto des Willkommensschilds des Staates Alabama - uns mit „Sweet Home Alabama“ eingestimmt hatten, wachten wir im subtropischen Norden auf. Schon früh wurden wir am Morgen von warmen 20 Grad geweckt. Auf ein Frühstück und eine Dusche verzichteten wir in diesem Motel lieber. Unser erstes Ziel des Tages war ein Standort in Bibb County. Dort soll neben Silphium perfoliatum eine endemische Art geben, welche es höchstwahrscheinlich nur dort gibt: Silphium glutinosum. Es war ein ganz besonderer Standort in mitten dieses sehr dünn besiedelten Countys. Das Habitat ist von großen Kalkfelsen durchzogen und lag am Ufer des Cahaba Rivers. Durch die besondere Lage, Bodenbedingungen und der Abgeschiedenheit zu anderen Präriegebieten sind hier eine ganze Reihe von Päriepflanzenarten entstanden, die auf der ganzen Welt nur hier wachsen. Ein Hotspot der Evolution, ein Kleingalapagos für Präriepflanzen.

Silphium glutinosum, eine endemische Silphium-Art in ihrem natürlichen Habitat.

Yucca filimentosa mit ihren typischen weißen Fäden an den Blatträndern.
Wir brauchten recht lange bis wir das öffentliche Gebiet fanden, wurden dann aber belohnt. Dieser Ort war wahrlich einer der schönsten Flecken Natur die wir bisher besucht hatten. Auf der kargen Steinfläche fanden wir viele Arten erstmals und staunten. Das endemische Silphium glutinosum war sicherlich eine der dominantesten Pflanzen in dieser Lebensgemeinschaft und zeigte ein paar letzte Blüten. Wir studierten diese Pflanze, welche in Europa gar nicht in Kultur ist, eifrig. Weiterhin staunten wir über die zahlreichen Fädigen Palmlilien (Yucca fillimentosa) und die riesigen Zapfen der Sumpfkiefer (Pinus palustris).

Die Zapfen der Sumpfkiefer sind deutlich größer als eine menschliche Hand.
Silphium glutinosum dominiert die Pflanzengesellschaft dieser naturbelassenen Landschaft.

Die Kathi Stiles Glades waren ein botanisches Paradies. Hier sollen 61 endemische Arten vorkommen.

Die Landschaft und der Cahaba River waren schlichtweg atemberaubend. Wir sahen allerlei Tiere, neben einer Schlange, beobachteten wir viele Wasserschildkröten und verschiedene Echsen wie diesen Fünfstreifenskink (Plestiodon faciatus).

Der in Amerika weit verbreitete Fünfstreifenskink auf der Flucht vor der Kamera.

Der wichtigste Fund des Tages: Silphium perfoliatum in einem verwilderten Feld in Alabama.
Das nächste Ziel war ein Herbarbeleg für die Becherpflanze. Die Daten aus dem Herbarbeleg erwiesen sich als sehr genau. In der Nähe von vielen Teichen, in denen die hier im Süden sehr populären Welse gezüchtet wurden, fanden wir eine Population die sich vom Waldrand heraus in ein verwildertes Feld herein ausbreitete. Nach Inspektion der Lage des Feldes waren wir uns unsicher, ob der Bereich öffentlich oder eben doch in privater Hand ist. Glücklicherweise kam ein Herr in einem Pickup daher, der wissen wollte warum wir denn das Feld so ausführlich fotografieren würden, schließlich wüchse dort ja nur Unkraut. Wir erzählten ihm unser Anliegen. Prompt erlaubte er uns sein Feld zu betreten und mitzunehmen was immer wir wollten. Er zeigte uns noch auf seinem Handy ein Video von seiner Wildzucht und wir plauderten ein wenig über Deutschland. Nach der reichen Ernte fuhren wir die Schotterpiste weiter, wenige Meter fanden wir noch zwei weitere Silphiumarten: Silphium laciniatum und Silphium integrifolium. Auf der Querstraße ein wenig weiter fanden wir noch Silphium confertifolium, die fünfte Art an einem Tag. Wir waren sehr froh darüber, drehten erneut „ Sweet Home Alabama“ laut auf und machten uns auf den Weg zu unserem Hotel im Süden Alabamas. Dieser war nicht ohne, das Navigationsgerät führte uns durch sehr holprige Strassen, die zum Teil abrupt endeten. Spätabends erreichten wir müde und zufrieden unser Hotel.

Eine halbe Stunde Dunkelheit und mehr Trampelpfad als Straße forderten hohe Konzentration auf den letzten Metern zum Motel.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Houston kein Problem – 24 Stunden Tennessee

Die Gebirgszüge der Appalachen, welche wir ein weiteres Mal durchqueren mussten.

Durch die Zeitersparnis in Virginia ergab sich die Möglichkeit doch noch in Tennessee nach unseren Becherpflanzen zu suchen, dies war ursprünglich auch geplant, aber aufgrund der mageren Datenlage entschied ich mich doch dagegen und gab Kentucky den Vorzug. Doch nun war es möglich und wir starteten vom Osten von North Carolina in den Nordwesten von Tennessee. Der Weg führte uns wieder zurück durch die Appalachen, vorbei am Mount Mitchell, der größten Erhebung dieser Gebirgskette.

Eine Kurzgras-Prärie in Tennessee, an einem naheliegenden Wasserfall wurden Teile vom neuen Dschungelbuch gedreht.
Aufgrund der Länge der Strecke und in der Hoffnung doch noch etwas Silphium zu finden machten wir zur Mittagszeit einen Stopp an einer Prärie auf dem Cumberland Plateau. Dort fanden wir Silphium trifoliatum, eine weitere Silphium Art bei der die Blätter - wie der Name es schon verrät – quirlig und stets zu dritt am Stiel erscheinen. Auch die dazugehörige Prärie war überaus beeindruckend. Es ging weiter und unser Ziel war es noch am Abend die Hauptstadt von Tennessee, Nashville zu erreichen. Schließlich konnten wir unser Ziel erreichen, doch leider war das Motel nicht das Beste und wir wurden nicht nur von einem gelangweilt gleichgültigen Concierge empfangen, sondern auch im Zimmer von einer ganzen Familie Kakerlaken. Zu unserem Glück war es noch möglich die Buchung zu stornieren und so fanden wir uns eine halbe Stunde später in einer deutlich saubereren und vor allem insektenfreieren Umgebung wieder.


Der Broadway in Nashville.
Wir gingen ins Zentrum von Nashville, dem Broadway und uns wurde schnell klar woher die Hauptstadt ihren Beinamen „Music City“ bekam: an jeder, ja wirklich jeder, Straßenecke wurde live von Strassenmusikern Musik zum Besten gegeben. Man hat die Wahl zwischen Gesang, Rap, Gitarre, Schlagzeug oder was das Herz sonst noch so begehrt. Wir waren ein wenig überfordert. In jeder Bar absolvierte eine Band gerade einen Auftritt. Die Aneinanderreihung der vielen Bars erinnerte ein wenig an die Düsseldorfer Altstadt, nur die Junggesellenabschiede fehlten.


Auf dem Broadway spielten in jeder Bar und an jeder Straßenecke Bands und Musiker.
Wie in den den USA üblich, hingen auch in Nashville die Ampeln an Kabeln. Desweiteren war die Straßenführung sehr verwirrend.
Ein typisches amerikanisches Haus in Houston, Tennessee. Dieses verträumte Haus stand neben dem Habitat der von uns gefundenen Becherpflanzen.

Silphium mohrii, eine der schönsten Silphium Arten.
Müde von den vielen Eindrücken gingen wir ins Hotel und planten den nächsten Tag. Nach dem Frühstück ging es noch ein wenig weiter ins County Houston. Hier fanden wir in der Nähe des Willow Creeks einige prächtige Becherpflanzen und freuten uns sehr über diesen in Tennessee doch recht raren Fund. Danach galt es noch Strecke Richtung Alabama gut zu machen, unserem nächsten Ziel. Auf dem Weg machten wir einen kurzen Stopp im Südwesten von Tennessee. Hier sollte eine weitere Silphiumart wachsen. Diese Art ist Silphium mohrii. Sie ist hellgelb, eher klein und besitzt sehr stark behaarte Blätter. Wir fanden sie direkt neben einer Schnellstraße und die untergehende Sonne hüllte die noch geöffneten Blüten in ein schönes, seichtes Gelb. Schließlich fuhren wir weiter Richtung Alabama. Pünktlich zum Überqueren der Staatsgrenze spielten wir laut den Titel „Sweet Home Alabama“ von Lynyrd Skynyrd und fuhren im Sonnenuntergang an unseren ersten Baumwollfeldern der Wildnis von Alabama entgegen.

Im Süden von Amerika wird auch Baumwolle angebaut, die Samenhaare der Pflanzen bilden lange Fasern - hieraus wird der gleichnamige Stoff hergestellt.




 
Lynyrd Skynyrd - Sweet Home Alabama

Montag, 3. Oktober 2016

Pflanzenfreude – die Plant Delight Nursery in Raleigh



Das Klima in Raleigh erlaubt die Kultur von verschiedenen tropischen Gewächsen.

Eines der Mutterpflanzenbeete des "privaten botanischen Gartens".

Ein Feigenkaktus zusammen mit Salbei.
Unser Plan war es in Raleigh eine der berühmtesten Gärtnereien der USA zu besuchen. Ihr Besitzer Tony unternimmt selbst des öfteren Exkursionen um neue Pflanzen für die Gartenkultur zu finden. Zusätzlich ist er mit vielen Botanikern und ambitionierten Hobbygärtnern in den USA bestens vernetzt. Wir erreichten am ersten Morgen in Raleigh das riesige Gelände. Wir hatten zuvor angerufen und unseren Besuch angekündigt. Natürlich bekamen wir eine Führung durch den riesigen Schaugarten. Die Gärtnerei beherbergt 24.000 Arten, Hybriden und Auslesen von verschiedenen Pflanzen. Wir waren schwer beeindruckt von diesem Artenreichtum, eine schier gewaltige Menge an sehenswerten Pflanzen. Wir konnten auch einige Tiere zum ersten Mal beobachten. Bei unserem Gang durch die Gärtnerei beobachteten wir einen Rotkehlanolis (Anolis carolinensis), wie es zwischen den dürren Ästen eines Salbeis umher kletterte um einen Stein zu erreichen. Auch bewunderten wir mehrere, aufgrund ihrer Größe, tropisch anmutende Falter, den Östlichen Tigerschwalbenschwanz (Papilio glaucus). Übrigens der offizielle Staatsschmetterling des Bundesstaats North Carolina. 

Der Tigerschwalbenschwanz ist beeindruckend, er war der erste amerikanische Schmetterling, der europäischen Wissenschaftlern bekannt war.

Musa velutina, die pinke Banane. Diese Bananenart ist leider nicht genießbar.

Anolis carolinensis besitzen verschiedene Farbmorphen, hier eine braune Variante.
Und es glab Pflanzen, hunderte, nein tausende von Pflanzen. Allein zwei Tunnel voll mit den unterschiedlichsten Agaven. Natürlich besaß Tony auch Silphium in seinem „privaten botanischen Garten“. Er und seine Mitarbeiter zeigten uns alle Mutterpflanzen der Silphium-Sammlung. Viele Arten sahen wir zum ersten Mal live und lebendig. Nach dem wir von unserem Vorhaben berichtet hatten, waren zwei Mitarbeiter damit beschäftigt, Kontakte zu Botanikern in Missouri für uns fest zu machen, Samen einzusammeln und uns eine Liste der Fundstellen zu geben. Aber auch verschiedene Varianten der Becherpflanzen sind in seiner unglaublichen Sammlung zu finden. Es wurde uns eine Variante gezeigt, welche trotz optimaler Düngung und Wasserversorgung nur kniehoch wird. Eine weitere Pflanze wird dagegen drei bis vier Meter hoch. Sie wurde in Arkansas gefunden. Wie freuten uns sehr, dass wir nun auch wussten wo.
Agaven und andere Sukkulente. Der Agaven-Tunnel der Plant Delight Nursery.

Neben den zahlrreichen Pflanzentunneln gab es zur Erfrischung einen Getränkeautomaten.

Die Becherpflanze aus Arkansas ist um einiges höher als Lukas.
Außerdem wusste Zac, einer der Mitarbeiter, von einem Wildvorkommen von Silphium compositum zu berichten. Diese Art befindet sich unseres Wissen in Europa gar nicht in Kultur. Um dem Abhilfe zu schaffen und da die Fundstelle nahezu um die Ecke lag, wollten wir nach unseren Besuch dorthin. Nachdem wir alle unsere Samen eingepackt hatten und uns herzlich bedankt hatten machten wir uns auf den Weg zu diesem besonderen Silphium - Wir fanden es.

Am Abend genossen wir zum ersten mal die Südstaatenküche. Es gab auch hier viel zu entdecken: traumhaftes Pulled Pork und allerlei Frittiertes gepaart mit aufregenden Barbecue-Soßen. Wir freuten uns auf unsere Zeit in den Südstaaten.

2000 Meter tiefer – von Floyd (Virginia) nach Raleigh (South Carolina)


Nebelverhangen und feucht, so begann und endete der nächste Tag in Floyd.
 Auch der zweite Tag in Virginia war ein voller Erfolg. Morgens starten wir zu einem zweiten Standort und fanden eine Gruppe der seltenen Variante der Becherpflanze, wie im Herbarbeleg beschrieben direkt neben einer Brücke. Etwas erstaunt, da es sicherlich der einfachste unserer Funde war, machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Campingplatz in Floyd. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, deutlich länger zu brauchen diese seltenen Pflanzen zu finden. So beschlossen wir uns schon zwei Tage früher, also am nächsten Morgen, Richtung South Carolina aufzumachen. Auf unserer Rückfahrt zum Campingplatz hielten wir noch an einen der Farmerläden und kauften köstliche Tomaten und Äpfel ein. Wir beobachtete fasziniert wie der Senior der Farm die feldfrischen Paprikas aus einem Eimer seines Pickups nahm, kurz säuberte und sie dann zur Auslage brachte. Frischer geht es nicht.

Die Pickups der Amerikaner eignen sich für so manche Tätigkeit. Hier werden feldfrische Paprika sortiert.

Am nächsten Morgen drehten wir mit David noch ein kurzes Video über unseren Erfolg für seine Facebookseite und dann ging es los. Es ging gefühlte Ewigkeiten bergab. Nach und nach ließen wir das mittlerweile wolkenverhangene Floyd hinter uns.

Ein Abschiedsfoto: Christian und David, der Eigentümer des Zeltplatzes - der Chantilly Farm.
Kreppmyrten zierten nahezu jede Straße in Raleigh.
Die Landschaft änderte sich zusehends. Trotz der relativ kurzen Fahrt von nur knapp 4 Stunden änderte sich so einiges. Raleigh ist im Gegensatz zu Floyd eine Hauptstadt und zwar von North Carolina. Sie erstreckt sich nicht nur über die gleiche Fläche wie das ganze Floyd County, auch die Botanik verströmte jetzt ein völlig anderes exotisches Flair. Die Straßen sind gesäumt von Kreppmyrten (Lagerstroemia). In einen Gemeinschaftsgarten sahen wir Passionsblumen (Passiflora) blühen und fruchten. Wir versuchten es noch einmal mit einer Bäckerei und fanden das beste Brot seit Wochen, ein französisches Baguette. Glücklich und zufrieden beendeten wir den Tag mit einem Abendessen, dass aus den frischen Tomaten des Farmerladens und dem guten Brot der Bäckerei bestand.

Raleigh besitzt den Flair einer amerikanischen Südstaatenstadt.

Eine blühende Passiflora in einem äußeren Bezirk von Raleigh in der Nähe der Bäckerei.
Die Früchte der Passionsblume sind botanisch gesehen Beeren, die Passionsblume kommt im Süden der USA recht häufig vor.
Festes, frisch gebackenes Brot mit einer knackigen Kruste ist eine Seltenheit in Amerika. In dieser französischen Bäckerei in Raleigh konnten wir welches finden.

Sonntag, 2. Oktober 2016

Im Revier – mitten in den Appalachen von Virginia

Das kleine Städchen Floyd mitten in den Blue Ridge Mountains, einem Teil der Appalachen.
Am nächsten Morgen kamen wir aus unserem Zelt heraus und wurden prompt von einem etwas anderen Bewohner des Campingplatzes empfangen. Ein Kragenhuhn (Bonasa umbellus) kam bis auf wenige Zentimeter auf uns zu. Es zeigte keinerlei Furcht, eher im Gegenteil. Zunächst dachten wir es wäre zahm und wolle etwas zu Essen, aber es zeigte keinerlei Interesse. Robert, ein Texaner und Campingnachbar, kam erstaunt bei uns vorbei und sagte er hätte so etwas noch nie erlebt. Wir einigten uns darauf, dass das Huhn oder besser gesagt der Hahn Deutsche mag.

Unser Besuch am Morgen.
Da wir am Abend zuvor niemanden antrafen um zu Fragen welcher Zeltplatz der unsrige wäre, gingen wir zunächst zum Eingangshaus des Zeltplatzes. Dort trafen wir nicht nur den Besitzer David, sondern auch Robert und seine Frau Cindy. Wir wurden ein wenig ausgefragt was wir Deutschen den hier im kleinen Floyd wollten. Wir erklärten unser Vorhaben. Die Begeisterung, dass Botaniker aus Deutschland wegen einer besonderen Pflanze hier ans Ende der Welt kamen war groß. Besonders Cindy, eine unglaublich witzige und freundliche Frau in den Vierzigern, konnte es kaum glauben. Sie freute sich unglaublich, da wir die ersten Botaniker waren, welche sie jemals kennenlernte und dann auch noch aus Deutschland. Wir bekamen noch reichlich kulinarische Tipps, was wir in welchen der Bundesstaaten unbedingt probieren müssten. Auch David, ein älterer sehr feiner Herr, gefiel es Botaniker auf dem Zeltplatz zu haben. Er erteilte uns direkt und ungefragt sein Einverständnis auf seinem Campingplatz, sowie den 2 Quadratkilometern Wald zu sammeln was wir wollten. Seine einzige Bedingung war, dass wir ihn unterrichten sollten, welche spannenden Pflanzen wir auf seinem Grundstück gefunden hätten. Auch klärte uns David über das eigenartige Verhaltens des morgendlichen Besuchers (des Kragenhuhnes) auf: Wir zelteten in seinem Revier. Aber auch er sagte, dass es ein sehr ungewöhnlicher Hahn sei. Bei kürzlichen Umbauarbeiten griff er sogar einen Bulldozer an, woraufhin der Hahn für die Arbeitszeit in einen Anhänger gesperrt wurde.

Paddeln für die Pflanzensuche.
Wir bedankten uns für die Erlaubnis und erzählten daraufhin, dass wir mehr an den Ufern des Little Rivers suchen wollten. Hier sollten unsere gesuchten Pflanzen wachsen. Sofort wurden wir belehrt, dass es sich rund um den Little River in der Hauptsache wieder einmal um privates Eigentum handle. David und seine Frau besaßen dort selbst ein großes Gelände mit mehreren Kilometern Ufer am Little River. Sie gaben uns ein Schrieb auf der Rückseite ihrer Visitenkarte mit der Erlaubnis ihr Land zu betreten. Doch wie sollten wir dorthin und die Ufer erreichen? Es kam die Idee auf, den öffentlichen Fluss mit Kajaks zu erschließen und sollten wir die seltene Silphiumvariante finden, die Samen dann direkt aus dem Kajak heraus einsammeln. Tatsächlich kannte David eine Kajak-Vermietung am Little-River, welche er sofort anrief und von unserem Vorhaben berichtete. Kurz darauf wurden wir zum Kajak-Verleih „On-The-Water“ eskortiert. Ich fuhr bei Davids Frau im Waagen mit und bekam während der Fahrt alle besonders empfehlenswerten Läden und Lokale vorgestellt. Gut vier der acht Möglichkeiten waren ihrer Meinung besonders gut. Wir bogen von der Hauptstraße ab und näherten uns dem Little River. Dort wurden wir mit Kajaks ausgestattet und zu Wasser gelassen. Wir vereinbarten, dass wir nach drei Stunden an einer zuvor ausgemachten Stelle abgeholt werden sollten.

Der ruhige Flusslauf führte uns durch eine wunderschöne Landschaft.

Diese Becherpflanze bildet nur einen sehr kleinen Blattbecher.
Der Little River ist wirklich ein unglaublich schöner, wie auch vollkommen natürlich gelassener Fluss. Der Stand war aufgrund des trockenen Sommers sehr niedrig, was unser Vorankommen erschwerte. Wir paddelten im ruhigen Wasser über zahlreiche leuchtend grüne Polster aus Wasserpflanzen und das bei strahlendem Sonnenschein. Da entdeckte ich am linken Ufer - es war meine Aufgabe die linke Seite zu beobachten - eine Pflanze, welche mich an Silphium perfoliatum erinnerte. Wir fuhren beide näher und bewunderten die Pflanze. Es war ein echtes Silphium perfoliatum var. connatum. Diese Variante ist deutlich kompakter und von oben bis unten mit leicht stacheligen Haaren bedeckt. Die Blätter sind ohne Stiel und wirken wie ein einziges großes Blatt.


Die seltene Silphium-Variante Silphium perfoliatum var. connatum am Little River.


Samen sammeln leicht gemacht.

Wir ruderten den Fluss hinab und sahen weitere Exemplare. Hier in Virginia standen die Becherpflanzen deutlich näher am Wasser, so konnten wir sie gut aus den Kajaks oder direkt vom Flussufer erreichen. Hierzu stiegen wir soweit möglich aus den Kajaks heraus und standen im erstaunlich warmen Wasser am flachen Ufer. Neben den Silphien sahen wir beeindruckende Felsvorsprünge, trafen leicht angetrunkene Angler im Kajak und genossen die Natur. Durch die vielen Stopps waren wir etwas spät dran und so mussten wir die letzten zwei der zehn Kilometer, trotz langsam müden Armen noch einmal Gas geben. Trotzdem erreichten wir den Treffpunkt mit 50 Minuten Verspätung. Aber der Sohn des Vermieters nahm es gelassen.







Felsvorsprünge und tote, wie auch lebende Bäume ragten über den Little River.

Wieder im Auto sanken wir in die Autositze und stellten fest, dass wir trotz Sonnencreme ordentlich Farbe bekommen hatten. Wir einigten uns schnell darauf, dass wir uns nach diesem erfolgreichen, wie anstrengend Tag, ein besonders gutes Abendessen verdient hätten. So fuhren wir zur besten Adresse des Städtchen Floyd.Wir aßen im Dogtown jeder eine fantastische Pizza und tranken spannende Biere. Besonders gut gefiel uns ein fast schwarzes Bier aus Kentucky, welches in Whiskeyfässern veredelt wird.

Der Holzkohleofen machte die Pizzen von Dogtown in Floyd bekannt.
Der Lohn nach einer erfolgreichen Sammeltour.